Sammlung

Personelles

Seit Juli ist Maja Wismer Inhaberin der neu geschaffenen Stelle Leitung Sammlungsbetreuung und Forschung mit Verantwortung für die Teams Art Care, Bibliothek und Archiv, Provenienzforschung und Collection Care.

Das Jahr 2025 war insgesamt geprägt von der Implementierung der neuen Organisationsstruktur, die einige Veränderungen auch für den Bereich der Sammlung bedeutet. So wurden die Bereiche Sammlung und Grafische Sammlung, die historisch zwar gemeinsam unter dem Dach des Kunsthauses, aber organisatorisch doch in einiger Hinsicht getrennt operierten, zusammengeführt. Somit wurden auch die für die verschiedenen Bereiche zuständigen Mitarbeitenden zu einem Team Collection Care vereint. Prozesse und Arbeitsabläufe werden aktuell angepasst, gemeinsam optimiert – Letzteres auch in Zusammenarbeit mit einer noch ausstehenden Besetzung der Leitung dieses neuen Teams.

Gleichgeblieben ist, dass es in allen Belangen der der ZKG anvertrauten Sammlungsbereiche dynamisch zugegangen ist. Nicht zuletzt zeigt sich dies daran, dass die Sammlungen und Dauerleihgaben einen wesentlichen Anteil an unseren Ausstellungen und Präsentationen in allen vier Gebäuden und darüber hinaus haben. Die Sammlung ist neben den Ausstellungen das institutionelle Rückgrat. Die Qualität der in ihr enthaltenen Kunstwerke und deren professionelle Beforschung und Aufbewahrung sind ausschlaggebend für die Liga, in der das Kunsthaus Zürich seit vielen Jahren spielt.

Neuzugänge, Schenkungen, Dauerleihgaben

Es ist eine besondere Freude an dieser Stelle von einem ganz besonderen Geschenk zu berichten. Das Gemälde «Bacchanale» wurde von Arnold Böcklin um 1886 während seiner Zeit mit Atelier am Zürcher Hottingerplatz geschaffen. Der Legende nach soll die dargestellte feuchtfröhliche Szene einem Fest des Künstlergütli, dem Vorläufer der ZKG, nachempfunden sein. Den privaten Schenkenden gebührt grösster Dank. Das Gemälde ist von überragender künstlerischer Qualität und die Platzierung im Kunsthaus mit dem angenommenen Bezug zu unserem Gründungsverein perfekt passend.

Ebenfalls soll an dieser Stelle die Dauerleihgabe des Schlüsselwerks «L'Objet invisible», 1934–1935, von Alberto Giacometti hervorgehoben werden. Dieser äusserst passende Zugang geschieht durch die Alberto Giacometti-Stiftung und eine Privatsammlung; beiden Gremien sei herzlich gedankt. Die Hinzufügung dieses wichtigen Werks bestätigt den Rang des Kunsthauses als Museum mit der wohl wichtigsten musealen Sammlung von Werken Alberto Giacomettis. Ebenfalls als Dauerleihgabe der Alberto Giacometti-Stiftung dürfen wir im Berichtsjahr ein Konvolut an Kupferplatten des Künstlers aufführen.

Als Dauerleihgabe der Vereinigung Zürcher Kunstfreunde darf das Werk «Express», 1972, der Künstlerin Kiki Kogelnik, seit diesem Jahr zum Bestand gezählt werden. Dieses Werk ist eine wunderbare Erweiterung des Pop Art-Bestands und gleichzeitig Erinnerung an die eindrucksvolle Ausstellung, die das Kunsthaus 2024 präsentierte. Auch die VZK-Dauerleihgabe von Walid Raads Werk «Epilogue II: The Constables», 2021, ist beides: ein Werk, welches die Sammlung in neues Licht rückt und die Dokumentation der vielbeachteten und multisensorischen Ausstellung des Künstlers, welche sich durch die Ausstellungsräume im Chipperfield-Gebäude schlängelte. Auch die repräsentative Gruppe an Dauerleihgaben durch die Gruppe Junge Kunst ist sehr erfreulicher Sammlungszuwachs. Im Jahr 2025 konnten auf diesem Weg Werke der Kunstschaffenden Ina Archer, Akosua Viktoria Adu-Sanyah, Wilhelm Sasnal, Naeem Mohaiemen sowie von Pippa Garner in die Sammlung aufgenommen werden. Allen unseren Dauerleihgeberinnen und Dauerleihgebern sei sehr herzlich gedankt.

Des Weiteren darf ein grosszügiges Geschenk einer ganzen Reihe von Werken des Künstlerinnenkollektivs Hulda Zwingli sowie von Peter Wechsler durch die Manuela Wurch Güdel Stiftung verdankt werden. Hulda Zwingli war 2023 / 2024 verantwortlich für eine in vielerlei Hinsicht relevante Intervention im Rahmen der Reihe «ReCollect!», Peter Wechsler war mittels einer Kabinettausstellung Teil des Ausstellungsprogramms 2016 / 2017. Beide Konvolute dokumentieren somit die Ausstellungsgeschichte des Kunsthauses und sind äusserst willkommene Ergänzungen unserer Bestände. Gleiches gilt für die umsichtige Schenkung des «Roman Signer Portfolio», 2010, von Peter Nobel und Christian Scholz. Ebenfalls mit Blick auf das eigene Ausstellungsprogramm konnten 2025 die Werke «Alreadymade II», 2024, von Barbara Visser sowie Izidora I LETHEs «APROPOSITIONS (     », 2024 angekauft werden. Ersteres in Zusammenhang mit der Einzelausstellung der Künstlerin, Zweiteres als Resultat der Ausstellung «Apropos Hodler». Sozusagen auf umgekehrte Weise konnte im Berichtsjahr ausserdem die hochkarätige Mezzotinto-Zeichnung in Farbe «Ung pige, der syer», 1910, von Peter Ilsted erworben werden. Dieser Ankauf geschah im Hinblick auf die Ausstellung «Vilhelm Hammershøi. Maler des stillen Klangs», die ab Juli 2026 im Kunsthaus zu sehen sein wird. Ebenfalls konnten Werke von Sylvie Fleury, Pedro Wirz, Manon Wertenbroek, Petrit Halilaj sowie Augustas Serapinas in die Sammlung aufgenommen werden. Abgänge sind für das Berichtsjahr erfreulicherweise keine zu verzeichnen.

Sammlungswerke in Ausstellungsprojekten im Kunsthaus

Werke der Sammlungsbestände waren neben ihrer Präsenz in den Dauerausstellungen im Berichtsjahr Bestandteil zahlreicher Projekte im Kunsthaus. Dazu gehören «Albert Welti und die Grafik des Fantastischen», «Suzanne Duchamp», «Druck gemacht!» sowie die Ausstellung «O Mensch! Wilhelm Lehmbruck – Die letzten Jahre. Dialog mit Yves Netzhammer». Daniela Ortiz, Wu Tsang und Wolfgang Laib setzten sich im Rahmen der «ReCollect!»-Reihe intensiv mit Werken unserer Sammlung auseinander. Die Einladung an diese Künstlerinnen und Künstler bot die Gelegenheit, das eigene Schaffen in Beziehung zur im Kunsthaus aufbewahrten Kunstgeschichte zu setzen. Diese bereits erprobte Reihe bringt für die Besuchenden, aber auch für die Mitarbeitenden immer wieder altbekannte Werke in neue Zusammenhänge, länger nicht gesehene Werke ans Licht und zeigt stets die beeindruckende Tiefe der am Kunsthaus Zürich aufbewahrten Sammlungsbestände. Auch die viel diskutierte Ausstellung «Eine Zukunft für die Vergangenheit» zur Sammlung der Stiftung E. G. Bührle schloss im Berichtsjahr, um Platz für ein nächstes Kapitel Ausstellungsgeschichte dieser Werke zu machen. Ebenfalls im Chipperfield-Bau konnten wir aufgrund der etablierten Infrastruktur anlässlich der Verleihung des Roswita Haftmann-Preises aus unserer Sammlung das Werk «What is Poetry to You», 1980, der prämierten Künstlerin Cecilia Vicuña präsentieren. Das Werk «Femme au miroir ou Femme à la toilette (Ludmilla Botkine)», 1918, der Künstlerin Alice Bailly konnten wir im Rahmen der monografischen Präsentation mit zahlreichen Leihgaben der Künstlerin grosszügig kontextualisieren.

Maja Wismer, Leiterin Sammlungsbetreuung und Forschung

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